Wenn Maria träumt, dann von blutigen Leichenbergen vor dem Parlament und Paralleluniversen, in denen den Georgiern die Gehirne entnommen, gewaschen und wieder eingepflanzt werden. Wer noch nicht brainwashed ist, muss den Anordnunen gehorchen, sonst droht ebenfalls Gehirnwäsche. Einen Tag pro Woche kann man sein, wer man ist, sozusagen Pause. Den Rest hat man zu gehorchen.
„There’s three categories of people today“, sagt Maria. „Those who don’t care at all. Those who are too sensitive and scared of losing their pink glasses. And those who have woken up to pragmatism in an otherwise unbearable surrounding. Those who endure the cameras they put up „for safety“ with which they surveil us during every protest.“
Wer noch nicht barinwashed ist, muss gehorchen.
So wie zwei von Rusas Freunden. Die Bergführerin ist Anfang 30. Einem ihrer Freunde wird gerade in Tiflis der Prozess gemacht, weil er angeblich einen Polizisten attackiert haben soll. Auf dem Video ist zu sehen, wie eine vermummte Person mit Pyrotechnik hantiert. Wohin diese abgefeuert wird, zeigt das Video nicht.
Vor einigen Jahren konnte man in Tiflis die eigene Wohnungstur einfach offen lassen, damit kühlere Luft aus dem stiegen Haus für ein wenig Luftzug im Hochsommer sorgt, sagt Maria.
„Today, someone will steal your TV, computer or even you. „
Die Justiz arbeitet vor allem gegen die eigene Bevölkerung. Korruption grassiert, Nationalparks werden von einem Tag auf den anderen privatisiert und gehören plötzlich den Ehefrauen von Politikern. Autos, die mehr Geld kosten als Durchschnittsbürger in 5 Jahren verdienen, fahren auf den 4 spurigen Staatsstraßen kreuz und quer. Parken, wo sie wollen. Ihre Besitzer haben wenig zu befürchten, sie sind mit den richtigen Leuten befreundet.
Die Justiz arbeitet vor allem gegen die eigene Bevölkerung.
Derweil sind zivilgesellschaftliche NGOs vom finanziellen Tod bedroht. Das „Ausländische Agenten Gesetz“, eine Kopie des Playbooks des Kreml, sieht vor, dass sich NGOs, die zu mindestens 20 Prozent aus dem Ausland finanziert werden, auf der Webseite des Justizministeriums registrieren. Sensible Informationen über ihre Mitarbeiter wie Wohnadresse, Einkommen, sexuelle Orientierung, sollen den Behörden mitgeteilt werden.
Dabei gibt es kaum zivilgesellschaftliches Engagement in Georgien. Kaum Vereine, Kooperationen, die sich für Bürgerrechte einsetzen. Die Kultur dafür existiert nach Jahrzehnten der kommunistischen Diktatur nicht. In autokratischen Systemen schließt man sich nicht von außen sichtbar zusammen. Man bespricht Dinge im Flüsterton, besorgt Dinge unter der Hand, der Schwarzmarkt ist groß und etabliert.
Der Civil Service hall in Tiflis, dem Mushroom-Gebäude, das einem Bezirks Amt entspricht, aber in spannenderer Optik, wurde ein haptisches Leitsystem für blinde und sehbehinderte Menschen verpasst. Gesponsert und implementiert wurde es von Polish Aid, einer polnischen NGO, die es offenbar für eine Installation dieser Art in einem öffentlichen Gebäude in Georgiens Hauptstadt braucht.
Ob ihre Mitarbeiter auch auf der Liste des Justizministeriums stehen?


